Die Verkehrswende zielt darauf ab, den PKW als vorwiegendes Transportmittel sukzessive durch Öffentlichen Personenverkehr (ÖPV) zu verdrängen. Gründe dafür gibt es viele. Soweit es PKWs mit Verbrennermotor betrifft, der Schutz des Klimas, aber auch die Reduzierung von Unfällen, Lärm, Platzverbrauch durch parkende PKWs, Verkehrsstaus, Umweltverschmutzung durch Reifenabrieb, NOx-Emissionen, Feinstaub, hohe Kapitalbindung usw usf. Leider beobachten wir, dass diese Wende nur sehr zögerlich vorankommt, um nicht zu sagen, kaum stattfindet. Gründe dafür gibt es viele, ein Anliegen ist es, die Angebotsqualität des ÖPV zu verbessern.
Ein Indikator für das Verhältnis von ÖPV zu anderen Verkehrsmitteln ist der sogenannte Modal Split. Er hat sich seit Jahren trotz vielfacher Bemühungen von allen beteiligten Seiten, nicht spürbar verändert, wie die folgenden Grafiken zeigen:

Modal Split 2017 und 2023 (C) datagon GmbH, Daten aus Google (BMDV)
Wir sehen, dass der MIV-Anteil gleich geblieben ist, lediglich die Verteilung Fahrer - Mitfahrer hat sich geändert. Der MIV-Anteil bleibt aber bei 53%. Der ÖPV-Anteil ist geringfügig gestiegen. Grundlage sind die Anzahl der Wege, nicht die zurückgelegten km (Personen-km). Weiterhin wurde auch der Luftverkehr hier nicht mitberücksichtigt.
Betrachten wir die Personen-km, dann zeigt sich ein anderes Bild:

Hier stellt der PKW-Verkehr insgesamt 80% der zurückgelegten Personen-km dar. Der Umweltverbund dagegen nur ca 18% (Rest Luftverkehr). Um hier zu Verschiebungen weg vom PKW bzw Motorisierten Individualverkehr (MIV) hin zum Umweltverbund zu kommen, müssen Hinderungsgründe der Nutzung des ÖPV gegenüber dem MIV identifiziert und weitgehend reduziert werden. Um zu erkennen, welche Fakten die Menschen daran hindern, den ÖPV zu nutzen, ist es erforderlich, die Qualität des ÖPV und des MIV zu messen, zu vergleichen, um damit zu erkennen, wo die Qualität des ÖPV verbessert werden kann ("you cannot improve what you cannot measure").
Ein wesentlicher Grund, eher das Auto als den ÖPV zu nutzen, liegt in der Zugänglichkeit des ÖPV. Hier gibt es naturgemäß große Unterschiede zwischen Stadt und Land. In Städten hat man oft ein sehr umfangreiches Angebot an ÖPV Verkehrsmitteln wie S-Bahnen, U-Bahnen, Straßenbahnen, Busse, aber auch alternative Verkehrsmittel wie Sharing-Fahrzeuge, was in ländlichen Regionen oft sehr wenig der Fall ist.
Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Bemühungen, die Angebotsqualität des ÖPV zu messen. Wir werden einige davon in unserem BLOG nach und nach präsentieren. Auch datagon GmbH hat hier eine Software as "minimal viable product" erstellt, die noch im Detail hier präsentiert werden wird.
Die meisten Bemühungen zur Messung der ÖPV-Angebotsqualität betreffen die Zugänglichkeit, also wie leicht ist der ÖPV zu erreichen. Dies wird häufig in Qualitätskennzahlen ausgedrückt, die von A bis F gehen und meist in Landkarten mit quadratischen oder sechseckigen "Kacheln" mit unterschiedlicher Seitenlänge und je nach Qualitätskennzahl farblich unterschiedlich dargestellt. Einige Systeme messen auch die Angebotsqualität des PKWs und vergleichen die Reisezeit jeweils von Abfahrtsort zu Zielort mit der des ÖPV, wobei bei der Reisezeit mit ÖPV auch die erste und letzte Meile zu Fuß oder Fahrrad mitberücksichtigt wird.
In weiteren Beiträgen werden wir nach und nach vorstellen, was bereits auf dem Markt und in unterschiedlichen Institutionen an Anstrengungen unternommen wurde, um die Angebotsqualität im Bereich Mobilität zu quantifizieren.